Coursing-EM in Chardonnay, Frankreich

Zusammen mit Craigie of Canadagh Caoinlan und Evi haben sich Ian und ich auf den Weg nach Chardonnay, Frankreich, gemacht. Unser Ziel dort war die Coursing Europameisterschaft. Um direkt am Gelände zu sein hatten wir beschlossen, die Nächte mit unseren Hunden zusammen im Zelt zu verbringen. Schlechtes Wetter im Hochsommer, nach den bisherigen wirklich heißen Wochen, hatten wir nicht eingeplant. Es sollte dann aber doch so sein, daß wir direkt mit Ankunft in Chardonnay unsere Zelte im Regen aufbauen durften und die Hunde und wir gleich mal ordentlich naß geworden sind. Am Tag zuvor hatte es in Chardonnay noch 35 Grad. Hitze, bei der wir unsere Hunde wohl gar nicht erst hätten starten lassen. So war der Regen eine willkommene Abkühlung und die Temperaturen für den ersten EM-Tag waren für die Hunde optimal. Die Organisatoren hatten das Campingareal sehr großzügig für die Länder, insgesamt nahmen 16 Nationen teil, eingeteilt. Wir hatten reichlich Platz für unser Auto, 2 Zelte und unseren Küchenpavillon. Toiletten und Wassertanks gab es in unmittelbarer Nähe und wir konnten uns mangels französischer Sprachkenntnisse sogar in deutsch verständigen. Die Tierartzkontrolle für unsere Hunde verlief erwartungsgemäß gut, so daß wir gegen 18.00 Uhr, gekleidet in unseren frosch-grünen Deutschland-T-Shirts, an den Eröffnungsfeierlichkeiten, geführt durch das wunderschöne Dorf Chardonnay, umgeben von Weinbergen, teilnehmen konnten. Ein tolles Bild! Tschechen, Polen, Skandinavien komplett vertreten, Oranje, Belgien und eine große russische Delegation waren angereist. Ebenfalls in großer Zahl unsere Nachbarn die Schweiz und Österrreich. Die größte Nation aber stellten die aus Deutschland angereisten Windhundsport-Verrückten! Ein gelungener Auftakt. Für das leibliche Wohl hatten die Franzosen natürlich auch gesorgt. Ein großes Festzelt mit wohl hervorragendem Catering waren aufgebaut. Wir zwei hatten uns allerdings für die Selbstversorgung entschieden – wenn Camping, dann richtig! Diesmal funktionierte auch der Gaskocher, so daß auch für unser leibliches Wohl bestens gesorgt war. Die Nervosität steigerte sich dann mit einem Blick in die Teilnehmerlisten. Welche Chancen haben die eigenen Hunde gegen die anderen? Sind unsere Hunde nach den vergangenen Wochen der Hitze, und ist besonders Ian nach der erlittenen Verletzung, fit genug für derart anspruchsvollen Hochleistungssport? Für Ian konnte ich diese Frage nicht mit einem klaren JA beantworten. Durch die beim Toben mit Chadwick erlittene Verletzung hatten wir natürlich einen Rückstand. Die Verletzung ist gut ausgeheilt und Freilauf, toben und springen zu Hause waren einwandfrei möglich. Die Belastung eines Coursings allerdings konnten wir nicht simulieren, so daß hier tatsächlich nur der Versuch blieb. Begonnen wurde mit den Hündinnen. Craigie war topfit. Den ersten Lauf von ihr konnte ich aber nicht verfolgen, da ich mit Ian immer etwas Abstand vom Parcour halten muß. Evi kam zurück mit Craigie und der Ansage, daß Craigie am Start stehend dicke Fragezeichen im Gesicht hatte, getreu dem Motto, was war es noch gleich, was ich hier zu tun habe? Es war erst ihr drittes Coursing und im Nachhinein hätten wir sie vorab mal durch den Zaun schauen lassen sollen, damit sie sieht, was dort passiert. Vor ihrem zweiten Lauf haben wir sie schauen lassen und sie muß einen tollen Lauf gezeigt haben. Da Evi selbst den zweiten Lauf von Craigie von der Startposition aus nicht sehen konnte, konnten wir überhaupt nicht einschätzen, was passiert ist. So hieß es warten bis zur abendlichen Siegerehrung. Ians erster Lauf verlief sehr verhalten, aber ohne ein Anzeichen erneuter Verletzung. Ich habe nach einer langen Mittagsruhe, vielen Gesprächen mit anderen Windhundbesitzern und erneuter Abklärung entschieden, ihn den zweiten Durchgang laufen zu lassen. Auch ich hatte keine Möglichkeit diesen Durchgang vom Start der Hunde aus zu verfolgen. Verhalten laufend kam er zum Ziel und es war ein leichtes Ticken zu sehen. Diejenigen, die den Lauf verfolgen konnten erzählten mir anschließend, daß er einen kleinen Stolperer im Lauf hatte und auch hier wieder sehr verhalten, sich selbst schonen wollend, gelaufen ist. Die ärztliche Untersuchung direkt im Anschluß ergab das, was ich selbst bereits vermutet hatte, die gleiche Verletzung wie zuvor. Kein Bruch – also eigentlich nicht wirklich dramatisch – eine Verletzung, wie sie immer wieder vorkommen kann. Nur war ich bisher doch immer ohne Verletzung überall durchgekommen. Mit Blick auf jeden täglichen Freilauf, der sicher größere Gefahren birgt als ein Lauf auf der Rennbahn oder im Coursing, geht man ständig hohes Risiko, daß sich die Hunde verletzen. Sie sind groß und extrem schnell und wendig. Würde ich sie aber vor solchen Verletzungen schützen wollen, dürfte ich sie nicht mehr frei laufen lassen. Das wäre in meinen Augen kein Windhundleben. Vorwürfe mache ich mir trotzdem, da der Start hier bei der EM, mit sehr anspruchsvollem Gelände, offensichtlich zu früh war für Ian. Im Ergebnis war es der 7. Platz bei 10 gestarteten Rüden. Bei der Siegerehrung warteten wir dann mit Spannung auf die Ergebnisse der Deerhounds. Schlug doch mein Herz letztlich für den verbliebenen deutschen Rüden Atchafayala Gaelic Braveheart und sein Frauchen Janine. Die beiden haben es auch geschafft und den Europasieger-Titel nach Deutschland geholt. Bei den Hündinnen hat es ebenfalls eine deutsche Hündin geschafft – Islays Ghualainn. Und Craigie – mit einer Platzierung wollten wir nicht rechnen – ging tatsächlich auf dem hervorragenden 3. Platz ein! Fast hätte Evi den Lauf zum Podest so verschlafen, wie Craigie ihren ersten Lauf! Bei 17 gestarteten Hündinnen ein tolles Ergebnis. So ging der erste Coursing-Europameisterschaftstag mit sehr stimmungsvollen Siegerehrungen zu Ende. Und auch ich konnte mich mit meinem schlechten Gewissen ein wenig versöhnen, da es Ian mittlerweile nach Gabe von Arnika und Traumeel wieder deutlich besser ging. Die zweite Nacht brach an und damit stand unsere Abreise auch schon kurz bevor. Gut ausgeschlafen machten wir 4 uns mit wundervollen Bildern im Kopf auf die Heimreise. Für die Hunde hatten wir am Tag zuvor noch riesige Outdoor-Kissen gekauft, so daß die beiden – selig schlafend – die Fahrt nach Hause weich gebettet genossen haben. Danke Evi und Craigie – dieses Erlebnis mit Euch teilen zu dürfen hat uns viel Freude bereitet. Wir sind stolz auf Euch! Danke an alle, die uns gedanklich auf unserer Reise begleitet haben und Daumen und Pfoten gedrückt haben!

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